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Resilienz ist Essenz

24. Aug.
4 Min. Lesezeit

Das ist zumindest meine These.


Wenn wir über #Resilienz sprechen, sprechen wir ziemlich schnell über #Ressourcen. Über Sport, Meditation, einen Spaziergang im Wald, Musik, Tanzen, Freunde, Familie oder all die anderen Dinge, die uns guttun.



Mich interessiert dabei allerdings noch etwas anderes:


Was entsteht eigentlich in uns, während wir all diese Dinge tun?


Nehmen wir Sport als Beispiel.


Du gehst regelmäßig zum Sport, weil du ihn liebst, weil er dir Spaß macht oder weil du dich danach einfach gut fühlst.


Und dabei passiert so viel mehr als nur Konditions- und Kraftaufbau.


Vielleicht erlebst du #Willensstärke. #Stolz. #Selbstwirksamkeit. Du spürst deinen Körper. Du merkst, was du kannst. Vielleicht gehst du über eine Grenze, von der du dachtest, sie wäre deine. Und möglicherweise entsteht dabei auch dieses Gefühl: Ich bin es mir wert, das für mich zu tun.


Und genau das meine ich. Denn Sport ist hier nur ein Beispiel. Es kann der Wald sein, Musik, Tanzen, ein Gespräch, etwas Kreatives, eine aufregende Herausforderung oder etwas völlig anderes. Entscheidend ist nicht nur, was du tust, sondern, was dabei in dir entsteht.

Das ist für mich die #Essenz.


Denn wenn es dir irgendwann richtig schlecht geht, bedeutet Resilienz nicht, dass du einfach deine Sporttasche schnappst, eine Runde trainierst und danach ist die Welt wieder schön.


Vielleicht hast du an diesem Tag überhaupt keine Kraft für Sport.


Vielleicht willst du auch nicht meditieren. Keine #Atemübung machen. Nicht spazieren gehen. Kein #Journal schreiben und schon gar keine Morgenroutine optimieren.


Und vielleicht darf das dann einfach so sein.


Ich glaube, wir leben inzwischen in einer Zeit, in der wir unglaublich viel darüber lesen, was wir alles tun können, um noch ausgeglichener, bewusster, erfolgreicher, gesünder und glücklicher zu werden.


Und irgendwann kann selbst persönliche Entwicklung zu einem weiteren Punkt auf der To-do-Liste werden.


Sei resilienter.

Sei noch achtsamer.

Noch produktiver.

Mehr bei dir.

Und noch ein bisschen besser reguliert.


Finde ich schon beim lesen anstrengend.


Wenn aus persönlicher Entwicklung ständige Selbstoptimierung wird, kann irgendwann das Gefühl entstehen, dass der Mensch, der wir sind, irgendwie nicht reicht. Nicht genug ist.


Das finde ich bedenklich bis hin zu ungesund.


Denn es darf Tage geben, an denen es uns einfach scheiße geht.


Es darf Phasen geben, in denen wir weniger Kraft haben. In denen wir traurig, wütend, erschöpft oder orientierungslos sind. Resilienz bedeutet für mich nicht, diese #Gefühle möglichst schnell wieder wegzumachen.


Vielleicht zeigt sie sich manchmal sogar genau darin, dass wir sie aushalten können,

diese unbequemen Gefühle, die wir alle immer weg haben wollen.


Dass irgendwo unter all dem, was gerade schwer ist, noch dieses leise Wissen liegt:


Ich komme hier durch.


Nicht unbedingt heute. Vielleicht auch nicht morgen.


Ich erlebe immer wieder, was mir Kraft gibt. Ich kenne meine Menschen, die mir guttun. Ich weiß, was mir Freude macht und was mir hilft, wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Ich weiß, was ich kann, was ich schon geschafft habe und dass auch schwere Zeiten wieder leichter werden.


All das ist da, in mir.


Das ist für mich die Basis.


Und die entsteht nicht erst dann, wenn wir sie dringend brauchen.


Wir bauen sie vorher auf. Oft sogar, ohne es zu merken.


Durch den Sport. Durch die Freundin, mit der wir schon hundertmal Tränen gelacht haben. Durch einen Wald, in dem wir zur Ruhe kommen. Durch Musik, die irgendetwas in uns berührt. Durch Herausforderungen, die wir gemeistert haben. Durch Menschen, bei denen wir uns sicher fühlen. Durch all die kleinen und großen Erfahrungen unseres Lebens.


Die Psychologin Barbara Fredrickson beschreibt mit ihrer Broaden-and-Build-Theorie etwas, das ziemlich gut zu diesem Gedanken passt: Positive #Emotionen fühlen sich nicht nur im jeweiligen Moment gut an. Über die Zeit können daraus persönliche Ressourcen entstehen – psychologische, soziale, körperliche und intellektuelle. Und diese können uns noch lange begleiten, nachdem der eigentliche Moment vorbei ist.


Ich mag diesen Gedanken sehr.


Dann muss ich den Wald gar nicht mit mir rumtragen.


Ich muss nicht auf meiner Yogamatte sitzen.


Und meine beste Freundin muss nicht 24/7 an meiner Seite sein.


Was all diese Momente ausgelöst haben, ist längst in mir verankert.


Und Resilienz ist dabei nichts Starres. Sie ist kein Zustand, den wir einmal erreichen und dann für immer besitzen. Sie kann wachsen, sich verändern und in unterschiedlichen Lebensphasen völlig unterschiedlich aussehen.


Und genau deshalb lässt sie sich auch stärken und trainieren.


Manchmal passiert das ganz nebenbei durch unser Leben. Manchmal hilft es, die eigenen Ressourcen, Muster und Fähigkeiten einmal ganz bewusst anzuschauen und neue Strategien zu entwickeln. Genau darum geht es auch in Resilienztrainings, oder im 1:1-Coaching: herauszufinden, was dich wirklich trägt und wie du mehr davon aufbauen kannst.


Denn auch unsere Ressourcen verändern sich.


Was mich vor fünf Jahren getragen hat, passt heute vielleicht gar nicht mehr zu mir.


Dann darf etwas Neues entstehen.


Eine neue Erfahrung. Ein neuer Mensch. Ein neues Hobby. Eine neue Herausforderung. Vielleicht etwas, von dem ich heute noch gar nicht weiß, dass es irgendwann einmal eine meiner wichtigsten Ressourcen sein wird.


Wir dürfen diesen Fundus immer wieder erweitern.


Und vielleicht müssen wir deshalb gar nicht ständig an uns arbeiten.


Vielleicht dürfen wir viel öfter Dinge tun, die uns Freude machen. Menschen nah sein, bei denen wir uns wohlfühlen. Neues ausprobieren. Uns etwas zutrauen. Lachen. Lernen. Tanzen. Durch den Wald laufen. Uns ausruhen.


Und dabei ganz nebenbei etwas sammeln.


Stärke. Verbindung. Vertrauen. Selbstwirksamkeit. Sicherheit. Freude.


Unsere ganz eigene Essenz.


Eine Essenz, die schwierige Tage nicht verhindert.


Die sie auch nicht verhindern muss.


Die uns vielleicht einfach nur ganz leise daran erinnert:


Heute darf es schwer sein.


Denn ich komme da durch.


Vielleicht gehört zur Resilienz auch die Fähigkeit, wohlwollend auf das zu schauen, was uns erst einmal unbequem erscheint. Nicht, um Schwieriges schönzureden oder Gefühle wegzudrücken. Sondern um uns zu fragen, welche Bedeutung wir einer Situation geben wollen. Denn manches können wir nicht verändern. Gleichzeitig dürfen wir verändern, wie wir darauf schauen.

Vielleicht liegt genau zwischen Annehmen und Neubewerten manchmal viel mehr Freiheit, als wir zunächst glauben.



 
 
 

2 Kommentare


Mary
26. Aug.

Ganz schöner Text!

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Cliff
24. Aug.

🏕️ 🤲🏾🧄

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